Jazzpodium - Goldmund

Goldmund

Musicom CD 010619

 

„Goldmund“ ist die zweite CD des Gitarristen Joe Krieg, der in seiner Heimatstadt Würzburg und in New York studierte und unter seinen Lehrern so bedeutende Persönlichkeiten wie Michael Arlt, Mike Stern, Ben Monder und Pat Martino aufzuweisen hat. Letzterem hat er auch ein Stück auf der CD gewidmet, ohne sich aber seiner Spielweise zu bedienen. Das Personal seiner ersten CD „Anadulphs Traum“ hat er beibehalten, denn mit dem Pianisten Marco Netzbandt, dem Bassisten Felix Himmler und dem Schlagzeuger Uli Kleideiter hat er Musiker gefunden, die ganz den lyrischen Ambitionen seiner Musik entsprechen. Von Haus aus bringt Krieg einiges an melodischer Phantasie und an Gefühl für die richtige Fortführung einer Melodie mit, was seinen Kompositionen wie seinen Improvisationen gleichermaßen zugute kommt. Seine Stücke sind

runde musikalische Gestalten in - meist - herkömmlicher Songstruktur, die teilweise bereits im Habitus klassischer Jazzgitarrenstücke daher kommen, so etwa das Titelstück „Goldmund“ oder „Schlips“. Trotz seines legatoarmen Spiels erzeugt Krieg einen sehr warmen und weichen Ton auf seiner Gitarre, mit gefühlvollem und flexiblem Anschlag, und seine ausgereifte Technik untersteht ganz der melodischen Erfindung. Er ist einer jener „singenden“ Gitarristen, die alles aussprechen, sich nicht in Kürzeln und nicht zu Ende geführten Sätzen verheddern oder ins Stottern geraten, will sagen: seine musikalische Sprache ist klar und verständlich, unmittelbar und kommunikativ, sie gibt keine Rätsel auf und versucht, möglichst adäquat der Gefühlswelt Ausdruck zu verleihen, die ihm gerade am Herzen liegt. In diesem Sinne gehört er wohl eher zur Spezies der lyrischen, „coolen“ Gitarristen, obwohl das Programm zum Ende hin, als sollte die Ahnung eines Übergangs erweckt werden, eine Steigerung zu mehr Bebop-Turbulenzen erfährt.

Benno Bartsch

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